Mit Orzeł ⚓ ist das nächste ungewöhnliche Testschiff für World of Warships aufgetaucht. Das polnische U-Boot wird auf Tier X getestet und ist gleichzeitig das erste U-Boot der europäischen Nation im Spiel.
Interessant wird die Sache weniger durch einen einzelnen absurden Torpedowert, sondern durch das Gesamtpaket. Orzeł bekommt sehr gute Tarnung, ungewöhnlich flexible Torpedowerfer, große Tauchreserven und ein Verbrauchsmaterial, das gegnerische U-Jagd-Angriffe zeitweise erheblich entschärfen kann.
Wichtig bleibt allerdings wie immer bei solchen Schiffen: Orzeł befindet sich noch im Test. Sämtliche Werte können sich bis zu einer möglichen Veröffentlichung ändern.
Orzeł bringt ein neues U-Boot zu Europa
Orzeł wird aktuell als europäisches Premium-U-Boot auf Tier X geführt. Im Spiel basiert ihre Darstellung auf dem Zustand des historischen Schiffes nach dessen Anschluss an die britischen Streitkräfte im Jahr 1940.
Die bisher veröffentlichten Grundwerte sehen so aus:
| Wert | Orzeł |
|---|---|
| Stufe | X |
| Trefferpunkte | 16.400 |
| Geschwindigkeit aufgetaucht | 32,0 kn |
| Geschwindigkeit getaucht | 16,0 kn |
| Wendekreis | 460 m |
| Ruderstellzeit | 5,9 s |
| Sichtbarkeit See | 5,2 km |
| Sichtbarkeit Luft | 1,9 km |
| Sichtbarkeit Periskoptiefe | 1,9 km |
| Tauchkapazität | 290 Einheiten |
| Verbrauch unter Wasser | 1 Einheit/s |
| Regeneration | 1,4 Einheiten/s |
Besonders die 5,2 km Basissichtbarkeit fällt sofort auf. Zusammen mit dem kleinen Wendekreis und 32 Knoten an der Oberfläche bekommt Orzeł damit gute Voraussetzungen, um ihre Position zu wählen und Kontakte zu kontrollieren.
Auch die Tauchreserve ist nicht gerade knapp bemessen. Mit 290 Einheiten stehen theoretisch 290 Sekunden beziehungsweise 4 Minuten und 50 Sekunden kontinuierliche Tauchzeit zur Verfügung, bevor Modifikatoren oder andere Einflüsse berücksichtigt werden.
Zwölf Torpedorohre und bewegliche Werfer
Das Torpedolayout gehört zu den interessanteren Punkten des Schiffes.
Orzeł besitzt insgesamt:
- 2 × 2 bewegliche 550-mm-Torpedowerfer
- 8 × 1 feste 550-mm-Torpedorohre
Die beiden Zwillingswerfer sitzen mittschiffs und können gedreht werden. Das verschafft Orzeł deutlich mehr Flexibilität bei der Wahl ihrer Schusswinkel als einem U-Boot, dessen Bewaffnung ausschließlich starr nach vorne oder hinten ausgerichtet ist.
Die Nachladezeit beträgt aktuell nur 50 Sekunden.
Wie bei anderen U-Booten stehen zwei unterschiedliche Torpedotypen zur Verfügung.
Standardtorpedos
| Wert | Standardtorpedos |
|---|---|
| Reichweite | 10,0 km |
| Schaden | 17.133 |
| Geschwindigkeit | 69 kn |
| Flutungswahrscheinlichkeit | 105 % |
| Sichtbarkeit | 1,6 km |
Das sind die langsameren, ungelenkten Torpedos mit deutlich höherem Einzelschaden.
Akustische Torpedos
| Wert | Akustische Torpedos |
|---|---|
| Reichweite | 12,0 km |
| Schaden | 7.833 |
| Geschwindigkeit | 89 kn |
| Flutungswahrscheinlichkeit | 31,5 % |
| Sichtbarkeit | 2,4 km |
Hier dreht sich das Verhältnis deutlich um. Die akustischen Torpedos laufen mit 86 Knoten erheblich schneller und besitzen zwei Kilometer zusätzliche Reichweite, verursachen mit 7.833 Schaden aber weniger als die Hälfte des Alpha-Schadens der Standardtorpedos.
Der Wechsel zwischen beiden Torpedotypen benötigt 10 Sekunden.
Hinweis: Im ursprünglichen Supertest-Datensatz wurden noch 86 kn angegeben. Unsere aktuell eingelesenen Spieldaten führen die akustischen Torpedos bereits mit 89 kn.
Sonar mit 12 km Reichweite
Das Sonar ASDIC 10 Mod. A arbeitet ebenfalls auf bis zu 12 km.
| Wert | Sonar |
|---|---|
| Reichweite | 12,0 km |
| Reload | 6,0 s |
| Ping-Geschwindigkeit | 500 m/s |
| Ping-Breite | 15 m |
| Markierung nach einem Ping | 25 s |
| Markierung nach zwei Pings | 65 s |
Die Ping-Geschwindigkeit von 500 m/s ist dabei eine der Stellen, an denen Orzeł auf dem Papier nicht nur Vorteile bekommt. Gerade auf größere Entfernung muss entsprechend sauber vorgehalten werden.
Außerdem besitzt das Schiff nach dem aktuellen Teststand kein Hydrophone.
Das Torpedo Defence System ist der auffälligste Teil
Der eigentliche Hingucker steckt im Verbrauchsmaterialpaket.
Neben Damage Control Party, Submarine Surveillance und Engine Boost besitzt Orzeł ein Torpedo Defence System.
Während dieses Verbrauchsmaterial aktiv ist, wird der erlittene Schaden durch Torpedos und Wasserbomben um 70 Prozent reduziert.
| Torpedo Defence System | Wert |
|---|---|
| Ladungen | 2 |
| Wirkungsdauer | 10 s |
| Reload | 180 s |
| Schaden durch Torpedos und Wasserbomben | -70 % |
Zehn Sekunden klingen zunächst nicht besonders lang. Bei einem U-Boot können genau diese zehn Sekunden während eines gegnerischen ASW-Angriffs allerdings entscheidend sein.
Das System ist deshalb vermutlich der Teil des aktuellen Designs, den man während des Tests besonders im Auge behalten sollte. Es kann Orzeł kurzfristig Fehler oder sehr aggressive Situationen überleben lassen, die für andere U-Boote erheblich gefährlicher wären.
Mit nur zwei Ladungen und drei Minuten Nachladezeit lässt sich der Effekt immerhin nicht permanent aufrechterhalten.
Dazu kommen Submarine Surveillance und Engine Boost
Orzeł erhält außerdem Submarine Surveillance mit einer Reichweite von 6 km.
Die Vorbereitung dauert 330 Sekunden, anschließend läuft die Aufdeckung gegnerischer U-Boote für 60 Sekunden. Der Cooldown beträgt 120 Sekunden.
Beim Engine Boost stehen drei Ladungen zur Verfügung. Er erhöht die Höchstgeschwindigkeit für 120 Sekunden um acht Prozent und besitzt ebenfalls 120 Sekunden Cooldown.
Aus den 32 Knoten an der Oberfläche werden damit rechnerisch rund 34,6 Knoten, solange der Boost aktiv ist.
Das unterstützt ziemlich deutlich die bisher erkennbare Richtung des Schiffes: gute Tarnung, hohe Beweglichkeit an der Oberfläche und Werkzeuge, um sich gezielt in eine günstige Position zu bringen.
Und ja, Orzeł hat tatsächlich ein Deckgeschütz
Auch das einzelne 105-mm-Bofors-Geschütz ist funktionsfähig.
Es verschießt ausschließlich SAP:
| Wert | 105-mm-Bofors |
|---|---|
| Geschütze | 1 × 1 105 mm |
| Reichweite | 6,0 km |
| Reload | 5,0 s |
| Sigma | 2,0 |
| SAP-Schaden | 2.250 |
| Durchschlag | 29 mm |
| Mündungsgeschwindigkeit | 850 m/s |
Mit einem einzigen Rohr wird daraus selbstverständlich kein kleiner Kreuzer. Aber ein funktionierendes SAP-Deckgeschütz auf einem U-Boot gehört definitiv in die Kategorie „weil es geht“.
Die historische Orzeł hat eine ziemlich wilde Geschichte
Auch abseits der Spielwerte ist die Schiffswahl interessant.
Die historische ORP Orzeł wurde in den Niederlanden gebaut, 1938 vom Stapel gelassen und im Februar 1939 in Dienst gestellt. Bereits wenige Monate später kam sie während des deutschen Überfalls auf Polen zum Einsatz.
Nach Schäden und dem zunehmend aussichtslosen Verlauf der Operation lief Orzeł im September 1939 Tallinn in Estland an. Dort sollte das Schiff interniert und entwaffnet werden.
Die Besatzung hatte allerdings andere Pläne.
Während die Esten Torpedos und Ausrüstung entfernten, verzögerte die Mannschaft die Arbeiten. Unter anderem wurde ein Hebekabel sabotiert. Ein Besatzungsmitglied lotete unter dem Vorwand des Angelns mit einem kleinen Boot heimlich die Wassertiefe im Hafen aus.
In der Nacht vom 17. auf den 18. September 1939 gelang schließlich die Flucht.
Das war nur der Anfang. Da der Besatzung ihre Navigationskarten abgenommen worden waren, musste sie sich anschließend unter anderem anhand einer Liste von Leuchttürmen orientieren. Trotz beschädigter Kommunikation erreichte Orzeł schließlich Großbritannien und wurde später der 2nd Submarine Flotilla der Royal Navy zugeteilt.
Am 8. April 1940 versenkte sie den deutschen Truppentransporter Rio de Janeiro.
Am 23. Mai 1940 lief Orzeł zu ihrer siebten Patrouille aus und kehrte nicht mehr zurück. Am 11. Juni wurde sie offiziell als verloren gemeldet.
Bis heute ist nicht abschließend geklärt, was mit dem U-Boot geschah. Auch das Wrack wurde bislang nicht gefunden.
Ein kleines historisches Detail steckt sogar am Modell
Wargaming hat offenbar noch ein ziemlich schönes Detail am virtuellen Schiff untergebracht.
Auf der Backbordseite des Kommandoturms befindet sich eine bronzene Gedenktafel, die auch am historischen Schiff vorhanden war. Sie erinnert unter anderem an die Finanzierung der Orzeł durch öffentliche Sammlungen für die polnische Marine.
Das ist spielerisch vollkommen irrelevant, aber genau die Sorte Detail, die bei einem historischen Schiff gerne drinbleiben darf.
Fazit
Orzeł sieht im aktuellen Teststand nach einem ungewöhnlich flexiblen Tier-X-U-Boot aus.
Die Kombination aus 5,2 km Tarnung, 32 Knoten Oberflächengeschwindigkeit, 290 Sekunden Tauchreserve, zwölf Torpedorohren und nur 50 Sekunden Reload gibt ihr bereits auf dem Papier ziemlich viele Möglichkeiten.
Besonders interessant sind die drehbaren Zwillingswerfer. Sie könnten dafür sorgen, dass Orzeł weniger stark an die klassische starre Vorwärts- und Rückwärtsausrichtung anderer U-Boote gebunden ist.
Der größte Blickfang bleibt aber das Torpedo Defence System mit 70 Prozent Schadensreduktion gegen Torpedos und Wasserbomben. Ob zehn Sekunden Laufzeit und zwei Ladungen als Begrenzung reichen, wird der Test zeigen müssen.
Ganz ohne Nachteile kommt das Paket nicht. Die akustischen Torpedos verursachen nur 7.833 Schaden, die Ping-Geschwindigkeit liegt bei 500 m/s und ein Hydrophone fehlt vollständig.
Vor allem sollte man die Zahlen derzeit nicht wie fertige Livewerte behandeln. Orzeł befindet sich im Test und kann vor einer Veröffentlichung noch deutlich verändert werden.